Burn Out & Depression – Wie Unternehmen eine schwere Krankheit nutzen können um die Mitarbeiterloyalität zu steigern

Burn Out, Depressionen, Angst- & Panikstörungen – das sind die größten psychischen Erkrankungen die jedem Unternehmen zu schaffen machen. Egal ob junges Start-up oder Traditionsunternehmen, die Symptome und Anfälligkeiten durchziehen die gesamte Wirtschaft und die gesamte Gesellschaft.

Der Leistungsdruck fordert seinen Tribut und der Mensch erkennt, dass er nur bedingt performen kann. Das Firmenhandy lässt Arbeit & Privatleben miteinander verschmelzen und neue E-Mails oder Benachrichtigungen aus dem Gruppenchat sind rund um die Uhr präsent. Unternehmen locken zwar mit einer Work-Life-Balance und Home Office Möglichkeiten, jedoch tauscht der Arbeitnehmer seine komplette Freizeit gegen diese Vorzüge ein. 

Dieser Druck kann zu Stress führen, was zu ernstzunehmenden psychischen Erkrankungen führen kann. In Analysen des Bundesarbeitsministerium wurde beschrieben, dass sich die Zahl der Krankentage auf Grund von psychischen Erkrankungen mehr als verdoppelt hat von 2007 bis 2017. In Zahlen: 2007 waren es 48 Millionen Fehltage, 2017 waren es 107 Millionen Fehltage. 

In Artikeln in Printmedien oder im Internet wird darüber geschrieben, was man dem Chef sagen kann und was man nicht sagen muss laut Arbeitsrecht, was Auslöser für diese Zustände sein könnten und wie der Arbeitnehmer handeln kann. Es ist eine sehr einseitige Berichterstattung, und wenn die Seite der Arbeitgeber betrachtet wird, geht es nur darum, dass der böse Chef ja nicht alles wissen muss, weil er einen sonst direkt kündigen wird. Publikationen, die eine Verheimlichung oder Verschleierung des Gesundheitszustandes propagieren tragen zur weiteren Stigmatisierung psychischer Störungen bei und helfen weder dem Arbeitnehmer noch dem Arbeitgeber. 

Burn Out, Depressionen & Störungen jeder Art sind reelle Krankheiten, die der Wirtschaft schaden und Karrieren beenden. So ziemlich jeder hatte damit direkt oder indirekt bereits zu tun und Patentrezepte, wie man dabei vorgehen kann gibt es einfach nicht. Fachärzte raten dazu Kollegen und Vorgesetzte anzulügen, bis eine depressive Phase vorbei ist, da der offene Umgang mit diesen Krankheiten Vorurteilen unterliegt, die durch genau solche Ratschläge verstärkt werden. 

Nur weil man eine psychische Störung hat, heisst es nicht, dass man verrückt ist, eine Gefährdung für sich und die Umwelt oder generell weggesperrt werden muss. 

Es kann jedem passieren, in jedem Alter und zu jeder Zeit. Der erfolgreiche Manager, der Langzeitarbeitslose, die Vorbild-Mutter, Schüler oder Studenten. Stigmata können nur abgebaut werden, wenn man als Betroffener aktiv dazu steht und seinem Umfeld die eigentlichen Symptome erklärt. Wer davon nicht betroffen ist kennt das Ganze nur aus Vorabend-Serien oder Hollywood Produktionen, die das dann romantisieren oder völlig überzogen darstellen. 

Was das Ganze in Zahlen bedeutet

Wenn wir einen Angestellten mit einem Jahresgehalt von 80.000€ als Beispiel nehmen und dies durch 226 Arbeitstage teilen, erfahren wir, dass der Arbeitnehmer 353,98€ Bruttolohn pro Tag erhält. Diesen Wert multiplizieren wir mit dem Faktor 3, um Lohnnebenkosten und Erträge des Angestellten mit einzuberechnen und kommen somit auf 1.061,94€ pro Tag der Abwesenheit. 

Wenn wir nun weiterhin davon ausgehen, dass diese Erkrankungen durchaus bis zu 6 Wochen Ausfall im Jahr ausmachen, kommen wir auf einen Wert von 31.858,20€. Zum Vergleich: Das ist der durchschnittliche Bruttojahreslohn einer Steuerfachangestellten in Deutschland. 

80.000€ : 226 Arbeitstage = 353,98€/Tag

353,98€ x Faktor 3 = 1.061,94€ produktiver Ertrag/Verlust pro Tag 

30 Tage x 1.061,94€ = 31.858,20€ Ausfallkosten

Es mag makaber oder pietätlos klingen, aber die Unternehmen erkennen die Gunst der Stunde nicht. Es gibt unzählige unbesetzte Stellen, „war for talent“ ist Alltag in den Personalabteilungen und Recruiting-Kosten explodieren. In HR Blogs spricht man von Employer/Employee Branding und New Work, doch niemand sieht die Chance der Menschlichkeit in diesen Zeiten. Experten raten von einem „Outing“ ab, Betroffene fürchten eine Stigmatisierung. Wenn ein Unternehmen progressiv vorgeht und seinen Arbeitnehmern die Angst der Vorurteile oder einer Kündigung nimmt, baut eine bedeutend bessere Beziehung zu seinen Angestellten auf. Heimlichtuerei und ständige Ausfälle durch depressive Episoden kosten sehr viel Geld, da diese durchaus öfter auftreten können als eine Erkältung. Eine Neueingliederung nach längerem Ausfall kann wiederum Monate dauern, was mit Mehrkosten verbunden ist. 

Unternehmen & Führungskräfte die sich hier offen und menschlich zeigen erzielen nicht nur den Benefit, dass sich die Angestellten wohler fühlen und die Kosten für Ausfälle sich verringern. Wenn dieser Punkt richtig und klar kommuniziert wird wirkt es sich auf Employer & Employee Branding aus, was zu einer höheren Loyalität führt und Recruiting-Kosten senken kann. Aussenstehende Kandidaten werden sich eher bewerben, wenn diese eindeutig menschliche Haltung bekannt ist und klar angesprochen wird.