Kündigungsfrist beim Jobwechsel: Was Sie bis zum letzten Arbeitstag beachten sollten 

Kategorie: Tipps & Infos

Der neue Arbeitsvertrag ist unterschrieben, der erste Arbeitstag beim neuen Arbeitgeber steht fest und die Kündigung beim bisherigen Arbeitgeber ist ausgesprochen. Trotzdem sitzen Sie noch einige Wochen an Ihrem bisherigen Arbeitsplatz. Genau diese Phase wird häufig unterschätzt. Die Kündigungsfrist beim Jobwechsel ist die letzte Phase des bestehenden Arbeitsverhältnisses. Auch wenn die Entscheidung für den neuen Arbeitgeber längst gefallen ist, geht der bisherige Job zunächst weiter.

Kündigungsfrist beim Jobwechsel

Bild: KI-generiert

Das kann sich durchaus merkwürdig anfühlen. Und das ist auch ganz normal. Während die Gedanken vielleicht schon beim neuen Unternehmen, beim zukünftigen Team und bei den kommenden Aufgaben sind, stehen im bisherigen Job weiterhin Termine, Projekte und Abstimmungen auf dem Programm.

Wie verhält man sich also in dieser Zeit? Wie viel Engagement ist noch sinnvoll? Was sollte man unbedingt übergeben? Und welche Dinge sollte man besser nicht tun, nur weil der Abschied ohnehin feststeht?

Kündigungsfrist beim Jobwechsel: Der alte Job ist noch nicht vorbei

Eine Kündigung beendet das Arbeitsverhältnis nicht automatisch mit dem Tag, an dem sie ausgesprochen wird. Bis zum tatsächlichen Ende bestehen grundsätzlich weiterhin die gegenseitigen Rechte und Pflichten.

Welche Kündigungsfrist gilt, hängt unter anderem vom Arbeitsvertrag, einem möglicherweise geltenden Tarifvertrag und den gesetzlichen Regelungen ab. Für Arbeitnehmer sieht § 622 BGB grundsätzlich eine Kündigungsfrist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats vor. Vertragliche Regelungen können davon abweichen.

Für die praktische Situation ist vor allem eines wichtig: Die Kündigungsfrist ist die letzte Phase des bestehenden Arbeitsverhältnisses.

Das bedeutet auch, dass die eigenen Aufgaben nicht automatisch weniger verbindlich werden, nur weil bereits ein neuer Vertrag unterschrieben wurde. Gleichzeitig verändert sich die persönliche Situation natürlich. Die langfristige Perspektive liegt nun bei einem anderen Arbeitgeber.

Genau diesen Spagat gilt es während der letzten Wochen auszuhalten.

Welche Aufgaben bis zum letzten Arbeitstag wichtig sind

Nach einer Kündigung kann die Versuchung groß sein, nur noch das Nötigste zu erledigen. Schließlich wird man die langfristigen Auswirkungen der eigenen Arbeit ohnehin nicht mehr miterleben.

Ein gewisses Maß an Distanz ist verständlich. Die eigenen Aufgaben bewusst liegen zu lassen, ist dagegen keine gute Lösung.

Offene Aufgaben sollten möglichst sauber abgeschlossen werden. Termine und Zusagen sollten weiterhin eingehalten werden. Wenn sich abzeichnet, dass ein Projekt nicht mehr innerhalb der verbleibenden Zeit abgeschlossen werden kann, sollte das frühzeitig angesprochen werden.

Dabei geht es nicht darum, in den letzten Wochen noch möglichst viel zu leisten. Viel wichtiger ist es, die verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen.

Ein Beispiel: Wenn ein Projekt normalerweise noch drei Monate Arbeit erfordert, macht es wenig Sinn, in den letzten vier Wochen hektisch zu versuchen, den gesamten Umfang allein abzuschließen. Sinnvoller kann es sein, den aktuellen Stand zu dokumentieren, offene Entscheidungen festzuhalten und gemeinsam zu klären, wer das Projekt anschließend übernimmt. Das ist professioneller und für alle Beteiligten hilfreicher.

Übergabe statt innerer Rückzug

Eine gute Übergabe gehört zu den wichtigsten Aufgaben vor dem Ausscheiden.

Gerade in der IT steckt häufig viel Wissen in den Köpfen einzelner Mitarbeiter. Wer über längere Zeit ein bestimmtes System betreut, einen Kunden kennt oder für einen komplexen Prozess verantwortlich ist, weiß oft Dinge, die in keiner offiziellen Dokumentation stehen.

Deshalb sollte die Übergabe nicht erst am letzten Arbeitstag beginnen.

Hilfreich kann beispielsweise eine Übersicht sein, in der folgende Punkte festgehalten werden:

  • Welche Projekte laufen aktuell?
  • Welche Aufgaben sind noch offen?
  • Welche Fristen müssen beachtet werden?
  • Welche Ansprechpartner sind wichtig?
  • Wo liegen relevante Dokumentationen?
  • Welche technischen Besonderheiten gibt es?
  • Welche Probleme sind aktuell bekannt?
  • Welche Entscheidungen stehen noch aus?

Noch besser ist es, wichtige Themen nicht nur schriftlich festzuhalten, sondern gemeinsam mit dem Kollegen oder Nachfolger durchzugehen.

Aus Recruiting Sicht ist eine gute Übergabe ebenfalls interessant. Gerade in spezialisierten IT Bereichen ist das berufliche Umfeld häufig stärker miteinander verbunden, als es auf den ersten Blick scheint. Ehemalige Kollegen können später bei anderen Unternehmen arbeiten, zu Kunden werden oder erneut im eigenen beruflichen Netzwerk auftauchen. Ein professioneller Abschied kann deshalb langfristig wertvoll sein.

Wie viel Einsatz nach der Kündigung noch sinnvoll ist

Eine der schwierigsten Fragen während der Kündigungsfrist lautet: Muss ich eigentlich noch genauso engagiert sein wie vorher? Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht.

Sie müssen sich nicht künstlich einreden, dass Sie noch jahrelang im Unternehmen bleiben werden. Gleichzeitig sollten Sie Ihre Arbeit bis zum Ende zuverlässig erledigen. Hilfreich ist die Unterscheidung zwischen Verantwortung und langfristiger Identifikation.

  • Sie können ein Projekt ordentlich übergeben, ohne noch dessen gesamte Zukunft zu planen. 
  • Sie können einen Kollegen einarbeiten, ohne dessen Aufgaben dauerhaft zu übernehmen. 
  • Und Sie können Ihre Arbeit weiterhin gut machen, ohne sich emotional noch genauso stark mit dem Unternehmen verbunden zu fühlen.

Das ist vollkommen legitim.

Auch neue langfristige Aufgaben können kritisch betrachtet werden. Wenn Ihnen kurz vor dem Ausscheiden ein Projekt übertragen werden soll, das realistischerweise erst Monate nach Ihrem Weggang abgeschlossen werden kann, ist ein offenes Gespräch sinnvoll. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, die Aufgabe noch anzustoßen und anschließend zu übergeben. Vielleicht sollte sie direkt jemand anderes übernehmen. Entscheidend ist nicht, jede zusätzliche Aufgabe abzulehnen. Entscheidend ist, realistisch mit der verbleibenden Zeit umzugehen.

Wenn sich das Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten verändert

Nicht jede Kündigung wird begeistert aufgenommen.

Ein Vorgesetzter kann enttäuscht sein. Kollegen können überrascht oder sogar verärgert reagieren. Manchmal verändert sich die Atmosphäre im Team unmittelbar nach der Kündigung.

Das lässt sich nicht immer verhindern. Was man aber beeinflussen kann, ist der eigene Umgang damit.

Wer sich für einen neuen Arbeitgeber entschieden hat, muss diese Entscheidung nicht ständig rechtfertigen. Gleichzeitig sollte man nicht jede Kritik, die sich während der vergangenen Jahre angesammelt hat, in den letzten Wochen noch einmal auf den Tisch legen.

Natürlich kann es gute Gründe für einen Wechsel geben. Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten, eine schwierige Führungssituation, zu hohe Arbeitsbelastung oder schlicht der Wunsch nach einer neuen Herausforderung können eine Rolle spielen.

Wenn ein strukturiertes Feedbackgespräch stattfindet, kann es sinnvoll sein, solche Punkte sachlich anzusprechen. Eine Kündigungsfrist ist jedoch selten der richtige Zeitpunkt für eine persönliche Abrechnung.

Auch unser Beitrag zum Thema berufliche Erfüllung beschäftigt sich mit der Frage, wann es sinnvoll sein kann, die eigene berufliche Situation kritisch zu hinterfragen.

Urlaub, Überstunden und Arbeitszeugnis rechtzeitig klären

Neben den eigentlichen Aufgaben gibt es einige organisatorische Themen, die man während der Kündigungsfrist nicht vergessen sollte. Dazu gehört zunächst der Urlaub.

  • Wie viel Urlaub steht noch zur Verfügung? 
  • Wann soll er genommen werden? 
  • Was passiert mit verbleibendem Urlaub?

Das Bundesurlaubsgesetz regelt unter anderem, dass Urlaubswünsche grundsätzlich berücksichtigt werden müssen, sofern keine entsprechenden betrieblichen oder persönlichen Gründe entgegenstehen. Kann Urlaub wegen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr genommen werden, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Abgeltung erfolgen.

Auch vorhandene Überstunden sollten frühzeitig angesprochen werden. Gibt es ein Arbeitszeitkonto? Können die Stunden noch abgebaut werden? Welche Regelungen gelten im Arbeitsvertrag?

Je früher diese Punkte geklärt werden, desto geringer ist die Gefahr von Missverständnissen kurz vor dem letzten Arbeitstag.

Ähnliches gilt für das Arbeitszeugnis.

Nach § 109 Gewerbeordnung besteht bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses grundsätzlich ein Anspruch auf ein Zeugnis. Auf Wunsch kann ein qualifiziertes Zeugnis verlangt werden, das sich auch auf Leistung und Verhalten erstreckt.

Gerade für IT Fachkräfte kann das Zeugnis eine sinnvolle Ergänzung zu Lebenslauf, Projekterfahrung und beruflichen Profilen sein. Mehr dazu haben wir bereits in unserem Beitrag „Sind Arbeitszeugnisse in der IT noch immer relevant?“ aufgegriffen.

Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar. Bei individuellen arbeitsrechtlichen Fragen sollte fachkundige Beratung eingeholt werden.

Was Sie während der Kündigungsfrist besser vermeiden

Eine Kündigung kann das Gefühl vermitteln, dass bestimmte Regeln nun nicht mehr so wichtig sind. Das ist eine gefährliche Annahme.

Die Arbeitszeit sollte beispielsweise nicht dafür genutzt werden, bereits intensiv Aufgaben für den neuen Arbeitgeber zu erledigen. Auch Unternehmensdaten, Kundendaten oder interne Dokumente gehören nicht einfach ins private Archiv, nur weil man das Unternehmen bald verlässt. Besonders vorsichtig sollte man auch mit vertraulichen Informationen sein.

Ein Wechsel zu einem Wettbewerber kann dabei zusätzliche Fragen aufwerfen. Ob und welche besonderen Verpflichtungen bestehen, hängt von den konkreten Vereinbarungen und Umständen ab.

Auch öffentliches Abrechnen mit dem bisherigen Arbeitgeber ist selten eine gute Idee. Ein emotionaler Beitrag auf LinkedIn oder anderen Plattformen kann sich im Moment befreiend anfühlen. Später lässt sich eine solche Veröffentlichung jedoch nur schwer zurückholen. Natürlich darf man unzufrieden gewesen sein. Aber zwischen ehrlicher Kritik und einer öffentlichen Abrechnung liegt ein großer Unterschied.

Die Zeit für den neuen Job nutzen

Die Kündigungsfrist sollte nicht nur aus Übergabe und Abschied bestehen. Sie kann auch eine gute Gelegenheit sein, sich auf den nächsten beruflichen Schritt vorzubereiten.

Vielleicht haben Sie bereits Informationen über das neue Team erhalten. Vielleicht kennen Sie Ihre zukünftigen Aufgaben oder die wichtigsten Technologien. Vielleicht gibt es noch organisatorische Dinge zu klären. Eine gewisse Vorbereitung kann den Einstieg erleichtern. Gleichzeitig sollte daraus kein zusätzlicher Druck entstehen.

Gerade in der IT ist es normal, dass ein neuer Arbeitgeber zunächst unbekanntes Terrain bedeutet. Andere Systeme, andere Prozesse, andere Verantwortlichkeiten und eine andere Unternehmenskultur lassen sich nicht vollständig vor dem ersten Arbeitstag lernen. Sie müssen deshalb nicht versuchen, bereits vor dem Einstieg alles zu können. Der neue Arbeitgeber hat Sie schließlich eingestellt, weil Ihre Erfahrung und Ihre Fähigkeiten zur Position passen.

Wie ein guter Start gelingen kann, haben wir auch in unserem Beitrag „Onboarding für IT Experten“ beschrieben.

Auch mental beginnt jetzt ein neuer Abschnitt

Ein Jobwechsel ist nicht nur eine organisatorische Veränderung.

Wenn die Entscheidung gefallen ist, verändert sich häufig auch die eigene Wahrnehmung des bisherigen Arbeitsplatzes. Aufgaben, die früher sehr wichtig erschienen, wirken plötzlich weniger bedeutend. Gleichzeitig wächst die Vorfreude auf das Neue. Das kann angenehm sein, aber auch irritieren. Und das ist vollkommen normal.

Manche Menschen werden während der Kündigungsfrist ungeduldig. Andere verlieren Motivation. Wieder andere beginnen, den bisherigen Arbeitgeber ständig mit dem zukünftigen Unternehmen zu vergleichen. Es kann helfen, diese Gefühle nicht überzubewerten.

Sie müssen die letzten Wochen nicht künstlich verlängern, aber Sie müssen sie auch nicht unnötig schlecht machen. Es handelt sich um einen begrenzten Zeitraum. Erledigen Sie Ihre Aufgaben. Bereiten Sie die Übergabe vor. Klären Sie offene Punkte. Verabschieden Sie sich von Menschen, die Ihnen wichtig sind. Und dann lassen Sie den bisherigen Job langsam hinter sich.

Der letzte Arbeitstag ist mehr als ein Datum

Der letzte Arbeitstag ist der formale Abschluss des Arbeitsverhältnisses. Gleichzeitig kann er auch persönlich Bedeutung haben.

Vielleicht gibt es Kollegen, mit denen Sie über Jahre zusammengearbeitet haben. Vielleicht möchten Sie sich bei einem Vorgesetzten bedanken. Vielleicht haben Sie jemanden eingearbeitet, der Ihnen besonders wichtig geworden ist. Ein persönlicher Abschied muss dabei weder groß noch emotional sein. Oft reicht ein ehrliches Gespräch oder ein gemeinsames Mittagessen.

Auch wenn der Jobwechsel aus Unzufriedenheit heraus entstanden ist, bedeutet das nicht automatisch, dass jede Erfahrung im bisherigen Unternehmen schlecht war. Man kann mit einer beruflichen Situation unzufrieden sein und trotzdem Menschen wertschätzen, mit denen man dort gearbeitet hat. Gerade deshalb lohnt sich ein respektvoller Abschied.

Die Kündigungsfrist bewusst gestalten

Die Kündigungsfrist beim Jobwechsel ist keine verlorene Zeit und auch kein Freifahrtschein, um die eigenen Aufgaben einzustellen. Sie ist die letzte Phase des bestehenden Arbeitsverhältnisses.

Wer diesen Zeitraum bewusst gestaltet, kann dafür sorgen, dass Projekte sauber abgeschlossen oder übergeben werden, Wissen nicht verloren geht und wichtige organisatorische Fragen rechtzeitig geklärt sind.

Gleichzeitig darf sich die eigene Perspektive verändern. Sie müssen nicht mehr langfristig für die Zukunft des bisherigen Arbeitgebers planen. Der nächste berufliche Schritt steht bereits fest. Es geht deshalb nicht darum, bis zum letzten Tag so zu tun, als würde man bleiben.

Es geht darum, den bisherigen Job professionell abzuschließen, ohne den eigenen Blick auf das Neue zu verlieren. Denn ein guter Jobwechsel beginnt nicht erst am ersten Arbeitstag beim neuen Arbeitgeber. Er beginnt auch damit, wie man den bisherigen Arbeitsplatz verlässt.

Transparenzhinweis: Bei der Erstellung dieses Beitrags kamen unterstützend KI-gestützte Tools für Text- und Bildinhalte zum Einsatz. Die inhaltliche Verantwortung sowie die redaktionelle Prüfung liegen bei unserem Team.

Bleiben Sie Informiert

Bleiben Sie informiert: Tragen Sie sich in unseren Newsletter ein und erfahren Sie frühzeitig von neuen Webinaren und Terminen und erhalten Sie Tipps für Ihre Karriereplanung.

Zustimmung gem. DSGVO