Depression im Job: Wenn Leistung keine Auskunft über die psychische Gesundheit gibt

Der Projekttermin läuft wie geplant, die Tickets werden abgearbeitet und im Daily wirkt alles normal. Vielleicht übernimmt der Mitarbeiter sogar noch spontan eine zusätzliche Aufgabe, weil ein Kollege ausfällt. Von außen gibt es also eigentlich wenig Anlass zur Sorge. Und trotzdem kann es sein, dass es diesem Menschen psychisch sehr schlecht geht.

Depression im Job

Genau auf diesen Widerspruch macht ein aktuelles Interview des Handelsblatts mit dem Psychiater Professor Ulrich Hegerl aufmerksam. Seine zentrale Botschaft: Auch Menschen, die im Beruf leistungsfähig und erfolgreich erscheinen, können an einer Depression erkrankt sein. Die Erkrankung ist nicht immer an Rückzug, offensichtlicher Antriebslosigkeit oder schlechter Arbeitsleistung zu erkennen.

Das ist auch für die IT interessant, denn gerade dort treffen hohe Eigenverantwortung, komplexe Aufgaben, enge Deadlines und der Anspruch, fachlich immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, häufig aufeinander.

Wir sind bei KA Resources keine medizinischen Experten. Wir können und wollen deshalb keine Depression diagnostizieren und keine Behandlung empfehlen. Wir denken, dies ist ein wichtiges Thema, um darüber zu informieren und einen Gedanken stärker in den Mittelpunkt zu rücken:

Wer gute Leistung bringt, ist nicht automatisch auch psychisch gesund.

Depression im Job sieht nicht immer so aus, wie man denkt

Das verbreitete Bild einer Depression ist relativ eindeutig: Ein Mensch zieht sich zurück, hat keine Energie mehr, arbeitet nicht mehr und wirkt dauerhaft traurig. Dieses Bild kann zutreffen, muss es aber nicht.

Die Informationen des Bundesportals gesund.bund.de nennen unter anderem Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit und sozialen Rückzug als mögliche Symptome. Wie sich eine Depression konkret zeigt, kann allerdings sehr unterschiedlich sein. Und das macht Depression im Job so schwer zu erkennen.

Ein IT-Spezialist kann beispielsweise weiterhin zuverlässig seine Aufgaben erledigen, obwohl ihm diese Aufgaben deutlich mehr Kraft kosten als früher. Eine Projektleiterin kann weiterhin Termine koordinieren, Entscheidungen treffen und im Meeting souverän auftreten, während sie außerhalb des Arbeitsplatzes kaum noch Energie hat.

Das sind keine Beispiele für eine Diagnose. Sie zeigen nur, warum der Blick auf die reine Arbeitsleistung zu kurz greift. Manchmal funktioniert ein Mensch nach außen noch erstaunlich lange.

Gerade Leistungsträger können ihre Belastung gut verstecken

Wer über Jahre als zuverlässig, belastbar und lösungsorientiert gilt, hat möglicherweise einen besonderen Druck, genau diese Rolle aufrechtzuerhalten.

„Ich kann das nicht mehr“ passt nicht zum eigenen Selbstbild.

„Ich brauche Hilfe“ klingt vielleicht wie ein persönliches Versagen.

Und „Ich bin gerade nicht leistungsfähig“ möchte man möglicherweise weder dem Vorgesetzten noch den Kollegen gegenüber eingestehen.

Professor Hegerl beschreibt im Handelsblatt genau dieses Problem. Betroffene können ihre Beschwerden zunächst als persönliche Schwäche oder als normale Reaktion auf berufliche oder private Belastungen interpretieren. Gerade Menschen, die bisher viel Verantwortung getragen haben, können Schwierigkeiten haben, eine Erkrankung als solche anzuerkennen. Das ist ein wichtiger Punkt, besonders für Unternehmen.

Denn ein Mitarbeiter, der immer geliefert hat, fällt nicht unbedingt dadurch auf, dass er plötzlich gar nichts mehr schafft. Vielleicht braucht er für dieselbe Aufgabe einfach länger, macht mehr Fehler oder vielleicht wird er gereizter bzw. zieht sich aus Gesprächen zurück. Oder er funktioniert einfach weiter.

„Hochfunktionale Depression“ klingt verständlich, ist aber keine Diagnose

Im Internet und insbesondere in sozialen Medien findet sich zunehmend der Begriff „hochfunktionale Depression“. Er beschreibt vereinfacht einen Menschen, der trotz depressiver Beschwerden nach außen weiter funktioniert, arbeitet und möglicherweise sogar auch noch erfolgreich ist.

Als Beschreibung eines Phänomens ist der Begriff nachvollziehbar, medizinisch handelt es sich jedoch nicht um eine eigenständige Diagnose. Auch Professor Hegerl weist im Handelsblatt darauf hin. Und das ist mehr als eine sprachliche Feinheit.

Denn ein Begriff wie „hochfunktional“ kann schnell den Eindruck vermitteln, jemand sei trotz Depression eigentlich noch völlig leistungsfähig. Das kann dazu führen, dass Beschwerden unterschätzt werden.

Ähnliches gilt für den Begriff Burn-out. Auch hier besteht die Gefahr, dass unterschiedliche psychische Belastungen vorschnell unter einem populären Begriff zusammengefasst werden. Eine Depression und ein Burn-out sind nicht dasselbe.

Wer wissen möchte, was hinter bestimmten Beschwerden steckt, sollte deshalb nicht versuchen, sich selbst anhand von Internetartikeln eine Diagnose zu stellen. Das gilt selbstverständlich auch für Führungskräfte, Kollegen und Arbeitgeber.

Was Depression im Job mit der IT-Arbeitswelt zu tun hat

Die IT ist kein Sonderfall, wenn es um psychische Erkrankungen geht. Trotzdem gibt es einige Besonderheiten, die das Thema sichtbar machen können.

IT-Fachkräfte arbeiten häufig mit hoher Eigenverantwortung. Ein Entwickler muss Fehler finden, bevor sie im produktiven System Probleme verursachen. Ein Administrator wird im Störungsfall möglicherweise außerhalb regulärer Arbeitszeiten gebraucht. Ein SAP-Berater arbeitet mit Kunden an kritischen Geschäftsprozessen. Ein IT-Projektleiter muss Termine, Budgets, technische Anforderungen und unterschiedlichste Interessen gleichzeitig im Blick behalten. Dazu kommt ein Arbeitsumfeld, das sich permanent verändert, beispielsweise durch neue Technologien, neue Tools, KI, Cloud, Security-Anforderungen, Fachkräftemangel und Kostendruck.

Das bedeutet nicht, dass diese Faktoren automatisch eine Depression verursachen. Genau vor solchen einfachen Ursache-Wirkungs-Aussagen sollte man sich hüten.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe weist ebenfalls darauf hin, dass Zusammenhänge zwischen ungünstigen Arbeitsbedingungen und Depressionen nicht automatisch beweisen, dass die Arbeitsbedingungen die Erkrankung verursacht haben. Gleichzeitig kann die Erkrankung selbst dazu führen, dass die Arbeit plötzlich wesentlich belastender und schwerer zu bewältigen erscheint. Dieser Unterschied ist wichtig.

Wenn aus „Ich bin einfach überlastet“ ein Warnsignal wird

Stellen wir uns als Beispiel einfach einen erfahrenen Softwareentwickler vor. Normalerweise arbeitet er konzentriert, löst komplexe Probleme schnell und ist bei schwierigen Bugs derjenige, den andere Kollegen fragen. Seit einigen Monaten schläft er schlecht, Aufgaben, die früher leicht von der Hand gingen, kosten ihn enorme Kraft, nach Feierabend hat er keine Lust mehr auf seine Hobbys und sagt Verabredungen immer häufiger ab.

Im Büro funktioniert er trotzdem. Er liefert, sitzt in Meetings und beantwortet Nachrichten. Vielleicht macht er sogar Überstunden, weil er das Gefühl hat, seine nachlassende Leistungsfähigkeit durch noch mehr Einsatz ausgleichen zu müssen.

Das Beispiel zeigt einen wichtigen Unterschied: Mehr Einsatz ist nicht immer die Lösung für nachlassende Leistungsfähigkeit.

Wenn sich Konzentration, Antrieb oder die Freude an Dingen, die einem sonst wichtig sind, über längere Zeit verändern, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, statt die Ursache vorschnell bei fehlender Motivation oder Disziplin zu suchen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Depression vorliegt. Genau das kann ein Arbeitgeber oder Kollege auch gar nicht beurteilen. Es bedeutet aber, dass genaueres Hinschauen sinnvoll sein kann.

Was Führungskräfte bei Depression im Job tun können

Eine Führungskraft muss keine Psychologin und kein Psychiater sein. Sie muss (und darf) auch keine Diagnose stellen. Ihre Aufgabe kann viel einfacher beginnen: Veränderungen wahrnehmen und ein Gespräch anbieten.

Statt zu fragen: „Was ist denn plötzlich mit Ihrer Leistung los?“ kann ein Gespräch beispielsweise mit einer konkreten Beobachtung beginnen: „Mir ist aufgefallen, dass Sie in letzter Zeit deutlich zurückgezogener wirken. Wie geht es Ihnen momentan?“ Das lässt dem Angesprochenen Raum für eine Antwort.

Vielleicht steckt nur eine stressige Projektphase dahinter, oder es gibt private Belastungen. Eine andere Option ist, dass die Person mit ihrer aktuellen Rolle unzufrieden ist. Vielleicht möchte sie über etwas sprechen, das mit der Arbeit überhaupt nichts zu tun hat. Und vielleicht steckt eine psychische Erkrankung dahinter. Die Führungskraft muss das nicht entscheiden.

Wichtig ist vielmehr, nicht sofort zu bewerten oder ungefragt medizinische Ratschläge zu geben. Professionelle Unterstützung gehört in die Hände entsprechender Fachstellen.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe empfiehlt Unternehmen unter anderem, Führungskräfte und Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren und zu wissen, an welche innerbetrieblichen oder professionellen Ansprechpartner Betroffene verwiesen werden können.

Leistung sollte nicht zum einzigen Maßstab werden

Hier liegt aus unserer Sicht eine der interessantesten Fragen für Unternehmen. Was passiert, wenn eine Organisation Mitarbeiter vor allem danach beurteilt, wie viel sie leisten?

Ein Mitarbeiter, der ständig erreichbar ist, kurzfristig einspringt und auch spät abends noch auf Nachrichten reagiert, gilt schnell als besonders engagiert. Ein Mitarbeiter, der Grenzen setzt, Pausen macht und nach Feierabend nicht erreichbar ist, kann dagegen weniger engagiert wirken. 

Das ist eine gefährliche Gleichung.Denn hohe Arbeitsleistung kann gesund sein. Sie kann aber auch dadurch entstehen, dass jemand permanent über die eigenen Grenzen geht.

Gerade in der IT sollte deshalb nicht nur betrachtet werden, was jemand leistet, sondern auch, unter welchen Bedingungen diese Leistung entsteht.

Unser eigener Beitrag zum Thema Burnout am Arbeitsplatz beschäftigt sich bereits mit der Frage, wie Leistungsdruck und psychische Belastungen im Arbeitsumfeld zusammenhängen können. Die Perspektive dieses Beitrags geht noch einen Schritt weiter: Nicht jede psychische Belastung lässt sich mit „zu viel Arbeit“ erklären.

Was Unternehmen konkret verbessern können

Ein großes Programm zur mentalen Gesundheit ist nicht immer notwendig. Oft beginnt es bei ganz normalen Führungsinstrumenten.

  • Regelmäßige Gespräche, in denen nicht ausschließlich über Ziele und Kennzahlen gesprochen wird.
  • Eine Unternehmenskultur, in der Krankheit nicht automatisch als Schwäche gilt.
  • Klare Ansprechpartner für Mitarbeiter, die Unterstützung benötigen.
  • Führungskräfte, die wissen, wo ihre eigene Verantwortung endet und professionelle Hilfe beginnt.
  • Und eine Arbeitsorganisation, in der dauerhafte Überlastung nicht zum Beweis besonderer Leistungsfähigkeit wird.

Das ist keine Garantie dafür, dass psychische Erkrankungen verhindert werden können. Das wäre eine falsche Erwartung. Aber ein offener Umgang kann es leichter machen, Probleme früher anzusprechen.

Auch Kollegen sollten genauer hinschauen

Nicht jede Veränderung eines Kollegen bedeutet, dass etwas Psychisches dahintersteckt. Trotzdem können Menschen aus dem direkten Arbeitsumfeld Veränderungen manchmal früher bemerken als eine Führungskraft.

Jemand nimmt plötzlich nicht mehr an gemeinsamen Mittagspausen teil. Eine sonst kommunikative Kollegin wirkt auffällig still. Ein zuverlässiger Mitarbeiter vergisst Dinge. Jemand reagiert ungewöhnlich gereizt, aggressiv oder scheint ständig erschöpft.

Keines dieser Zeichen beweist eine Depression. Aber es kann ein Anlass sein, einmal nachzufragen.

Nicht mit: „Du hast doch bestimmt eine Depression.“ sondern eher mit: „Du wirkst in letzter Zeit anders als sonst. Ist alles in Ordnung?“ Das klingt banal. Manchmal ist genau diese einfache Frage aber der bessere Anfang als jede gut gemeinte Analyse.

Und was können Betroffene selbst tun?

Auch hier gilt: Wir können und dürfen keine Diagnose stellen und keine individuelle Behandlung empfehlen.

Wer jedoch über längere Zeit Veränderungen wie anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder Hoffnungslosigkeit feststellt, sollte das nicht einfach als persönliches Versagen abtun.

Das offizielle Gesundheitsportal gesund.bund.de betont ausdrücklich, dass seine Informationen nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung gedacht sind. Eine medizinische Abklärung kann notwendig sein, weil auch andere Erkrankungen oder Ursachen ähnliche Beschwerden hervorrufen können.

Wenn Depression im Job akut wird

Besonders wichtig ist eine klare Grenze zwischen allgemeiner Information und einer akuten Krisensituation. Wenn ein Mensch äußert, dass er nicht mehr leben möchte, sich etwas antun will oder unmittelbar gefährdet erscheint, sollte das nicht als normales berufliches Tief behandelt werden.

In Deutschland empfiehlt sich in einer Notlage der Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist außerdem rund um die Uhr unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123 erreichbar und bietet auch Beratung per Chat und E-Mail an.

Für Arbeitgeber bedeutet das nicht, dass sie selbst therapeutische Aufgaben übernehmen müssen – das dürfen nur ausgebildete Fachleute. Es bedeutet vor allem, eine akute Situation wirklich ernst zu nehmen und professionelle Hilfe zu empfehlen.

Die wichtigste Erkenntnis für Arbeitgeber und IT-Fachkräfte

Leistung ist kein Gesundheitszeugnis.

  • Ein Mensch kann ein schwieriges Projekt erfolgreich abschließen und trotzdem psychisch stark belastet sein.
  • Eine Führungskraft kann souverän auftreten und trotzdem selbst Unterstützung benötigen.
  • Ein Entwickler kann hervorragenden Code schreiben und gleichzeitig mit einer psychischen Erkrankung kämpfen.
  • Gleichzeitig ist ein Mitarbeiter, dessen Leistung nachlässt, ist nicht automatisch unmotiviert oder ungeeignet.

Für Unternehmen bedeutet das: Menschen sollten nicht erst dann Aufmerksamkeit bekommen, wenn ihre Leistung zusammenbricht.

Für Mitarbeiter bedeutet es: Nicht jede persönliche Krise ist ein Zeichen von Schwäche und nicht jedes Problem lässt sich durch noch mehr Disziplin lösen.

Gerade weil wir bei KA Resources täglich mit IT-Fachkräften, Unternehmen und Führungskräften zu tun haben, finden wir diesen Gedanken wichtig. Unsere Aufgabe ist es, Menschen und Positionen fachlich passend zusammenzubringen. Die psychische Gesundheit eines Menschen können wir dabei nicht beurteilen.

Was wir aber beobachten können, ist, wie wichtig ein realistischer Blick auf Arbeit, Leistung und berufliche Entwicklung ist.

Ein guter Mitarbeiter ist nicht derjenige, der immer funktioniert.

Und ein gutes Unternehmen ist nicht dasjenige, in dem niemand jemals Probleme hat.

Ein gutes Arbeitsumfeld sollte vielmehr ermöglichen, dass Menschen Probleme ansprechen können, bevor sie völlig unsichtbar werden.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Beratung. Aussagen zu Symptomen, Diagnostik und Behandlung sollten nicht zur Selbstdiagnose verwendet werden. Bei persönlichen Beschwerden oder Unsicherheit ist eine professionelle medizinische Abklärung der richtige Weg.

Transparenzhinweis: Bei der Erstellung dieses Beitrags kamen unterstützend KI-gestützte Tools für Text- und Bildinhalte zum Einsatz. Die inhaltliche Verantwortung sowie die redaktionelle Prüfung liegen bei unserem Team.

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